Geschichte

Der Weg zu einer eigenen Kirche für Hoheluft

Bis 1899 gab es für Hoheluft keine eigene Kirche. Ursprünglich gehörten die Menschen, die hier wohnten, zum Kirchspiel St. Johannis-Eppendorf , das im 13. Jahrhundert gegründet worden war. Die Gemeindeglieder von Eimsbüttel bis Ochsenzoll, von Groß Borstel bis zum Mühlenkamp auf der Uhlenhorst gingen zu dieser einen Kirche. Die Bevölkerung in diesen Gebieten wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark an, besonders in Eppendorf, Eimsbüttel und in Hoheluft. Um 1890 umfasste die Eppendorfer Gemeinde ca. 22.000 Gemeindeglieder, für die es zwei Pastoren gab. Seit 1892 gab es in Hoheluft eine Initiative von Bewohnern, die Hoheluft als eigenständigen Pfarrbezirk mit einem eigenen Pastor forderten. Seit 1893 erschien Hoheluft als selbständiger Pfarrbezirk innerhalb der Eppendorfer Gemeinde mit etwa 10.000 Gemeindegliedern, Pastor Heinrich Voß wurde ihm als Hilfsprediger zugeordnet. Da es noch keine Kirche gab, hielt er die Gottesdienste in der Turnhalle der Volksschule Wrangelstraße. Trotz des Charmes dieser Lösung wuchs in der Bevölkerung der Wunsch nach einer eigenen Kirche für Hoheluft. Es gründete sich ein “Kirchenkomitee Hoheluft”, das den Plan eines Kirchbaus entwickelte, Unterstützer suchte und Spenden in den Häusern sammelte. Im Mai 1894 erfolgte ein “Aufruf zum Kirchenbau” in Hoheluft.

Der Bau von St. Markus als neugotische Stadtteilkirche

Aus dem Wettbewerb für den Kirchbau ging der Architekt Hugo Groothoff als Sieger hervor. Die Stadt stellte ein Areal am Rande des ehemaligen Goßlerschen Parks zur Verfügung. Der Bau der Kirche begann im August 1898. Sie wurde in dem um die Jahrhundertwende populären neugotischen Stil erbaut und erhielt 610 Sitzplätze (394 im Kirchenschiff, 216 auf der Empore). Im Innenraum hatte die Kirche eine filigrane neugotische Ausstattung, farbige Chorfenster mit der Darstellung Jesu neben Markus und Johannes, eine leicht erhöhte Holzkanzel und ein hölzernes Taufbecken. Holzdecke und Emporen waren mit farbigen Malereien verziert. Der Turm mit einem hölzernen Helm war 50 m hoch. St. Markus wurde erbaut als typische Stadtteilkirche der Jahrhundertwende. Die Baukosten betrugen 106.500 Mark (zum Vergleich: Baukosten Fischauktionshalle Altona: 320.000 Mark). Am 28.11.1899 konnte die Kirche feierlich geweiht werden. Die Namensgebung erfolgt durch den Kirchenvorstand der “Mutterkirche” St. Johannis-Eppendorf. Am 1.7.1905 wurde St. Markus von St. Johannis abgetrennt und bildete von da eine eigenständige Kirchengemeinde mit eigenem Kirchenvorstand, eigenem Vermögen und eigenem Pastorenwahlrecht.

Bethlehemkirche und Gemeindehaus in der Gärtnerstraße 64

Im Dezember 1901 war die Zahl der Gemeindeglieder bereits auf 50.000 Personen angewachsen. Der Wunsch nach einem Gemeindehaus und einer zweiten Predigtstätte entstand. Im März 1913 begann an der Gärtnerstraße 64 der Bau des Gemeindehauses mit Predigtsaal nach dem Entwurf des Architekten Camillo Günther. Das Gemeindehaus wurde am 1. Oktober 1913 bezogen, die Kirche am 22.12.1913 eingeweiht. Die Bethlehemkirche bot Platz für 400 Personen. Das Gemeindehaus enthielt zwei kleinere Versammlungssäle, eine Krippe, eine Warteschule (ähnlich dem heutigen Kindergarten; Betreuung durch Gemeindeschwestern), eine Ausgabestelle für die Milchküche der Patriotischen Gesellschaft sowie Wohnungen für die Gemeindeschwestern. Die Baukosten lagen bei 149.000 Mark.

Im Sakristeibuch findet sich für den 25. Juli 1943 folgender Vermerk: „Nach der Bombennacht ist der Gottesdienst ausgefallen. Die Markuskirche war ausgebrannt, Dach und Fenster der Bethlehemkirche durch Luftdruck zerstört“. Im März 1944 feierte die Gemeinde die Einweihung der wiederhergestellten Bethlehemkirche. Am 18.06.1944 wurde der Bau bei einem amerikanischen Tagesluftangriff zerstört.

Zerstörung und Wiederaufbau von St. Markus

Im Zuge der “Aktion Gomorrha”, in der britische und US-amerikanische Flugzeuge Hamburg bombardierten, wurde St. Markus in der Nacht 24. / 25.7.1943 zerstört. Am Kriegsende sind von 65 Kirchen und Kapellen in Hamburg 22 ganz zerstört; z.T. dauert es Jahrzehnte, bis die Kirchen wieder aufgebaut oder durch neue Gebäude ersetzt wurden. Die erste wieder aufgebaute Kirche in der Hamburgischen Landeskirche war St. Markus als vierte Kirche des sog. Notkirchenprogramms Otto Bartnings.

Ab Mai 1948 wurde unter Leitung des Architekten Gerhard Langmaack St. Markus-Hoheluft als Notkirche wieder errichtet. Da in den Zeitraum des Wiederaufbaus die Währungsreform fiel, kämpfte die Gemeinde mit großer Finanznot. Dennoch konnte am 6.8.1948 die Grundsteinlegung stattfinden. Der Plan Gerhard Langmaacks sah vor, die Holzkonstruktion Otto Bartnings in die verbliebenen Reste der neugotischen St.Markus-Kirche einzupassen. Dafür wurden die Seitenwände des Kirchenschiffs bis auf die unteren 3 m abgebrochen, der Chorbogen und der Altarraum wieder hochgemauert. Die hölzernen Bauteile wurden in Genf angefertigt und im September 1948 nach Hamburg gebracht. Das neue hölzerne Langhaus wurde dann zwischen die erhaltenen bzw. erneuerten Teile des Vorgängerbaus eingespannt. Innen wurde das Mauerwerk verputzt und weiß gestrichen; beim Wiederaufbau des Chores wurde größte Einfachheit angestrebt; richtungweisend dafür war der Blick auf dänische Kirchen. Altar, Kanzelsockel und Taufstein wurden aus Ziegelsteinen aufgemauert, die vermutlich aus den Trümmern der zerstörten Kirche stammten. Am 20.3.1949 konnte die Kirche feierlich wiedereingeweiht werden. Am 20.10.1949 wurden die farbigen Glasfenster der Künstlerin Hilde Ferber eingesetzt. Erst 1952 wurde der auf 26 Meter verkürzte Turm eingeweiht.

Das Erscheinungsbild von St. Markus ist seit dem Wiederaufbau bestimmt durch die Kombination der erhaltenen Teile des neugotischen Baus mit der charakteristischen Form der Notkirche. Damit werden zugleich Kontinuität als auch Neubeginn ausgedrückt.

Das neue Gemeindehaus in der Heider Straße 1 wurde am 27.11.1960 eröffnet und bis September 2012 genutzt. Seit Oktober 2012 ist das ehemalige Pastorat in der Löwenstraße 60, bis zur Fertigstellung des Neubaus in der Heider Straße, Zentrum des Gemeindelebens. In der Gärtnerstraße 64 entstand ein Altenheim, das am 06.07.1962 eingeweiht wurde. 1994 wurde die Martha-Stiftung Trägerin des Altenheims. Diese errichtete 2001 das neue Seniorenzentrum St. Markus und eröffnete 2003 nach Umbau und Modernisierung die Seniorenwohnungen mit Service im ehemaligen Gebäude des Seniorenheims St. Markus.